Bildungsstipendium Aleksandra Stryjska
Mit Unterstützung der Rahn Dittrich Group Stiftung: Von Obrzycko über Neuzelle bis nach China und Irland
Heute studiert Aleksandra Stryjska, von allen Ola genannt, Medizin am Royal College of Surgeons in Ireland in Dublin. Ermöglicht und entscheidend erleichtert wird ihr dieser anspruchsvolle Bildungsweg durch ein Stipendium der RDG- Stiftung, die sie bei der Finanzierung ihres Medizinstudiums unterstützt.
Für Ola bedeutet diese Förderung weit mehr als eine finanzielle Entlastung. Sie ermöglicht ihr, sich auf ihre medizinische Ausbildung, ihre klinische Entwicklung und ihre internationalen Forschungsprojekte zu konzentrieren. Zugleich ist das Stipendium für sie ein besonderes Zeichen des Vertrauens: Die Unterstützung kommt aus jenem schulischen Umfeld, in dem viele Jahre zuvor die Grundlagen für ihren internationalen Bildungsweg gelegt wurden.
Am Freien Gymnasium der Rahn Education im Stift Neuzelle, mit internationaler Ausrichtung, legte Ola nicht nur ihr Abitur ab. Dort lernte sie auch, sprachliche und kulturelle Grenzen zu überwinden, Verantwortung für ihren eigenen Weg zu übernehmen und sich in einer internationalen Gemeinschaft zu Hause zu fühlen. Die Förderung durch die Stiftung knüpft unmittelbar an diese prägende Zeit an und begleitet sie nun auf dem Weg zu ihrem größten beruflichen Ziel: Ärztin und Wissenschaftlerin zu werden.
Wie weit dieser Weg sie bereits geführt hat, zeigt sich besonders deutlich in einem Moment, der viele Tausend Kilometer von Neuzelle entfernt liegt.

Aleksandra bei ihrer White-Coat-Zeremonie
Von Neuzelle hinaus in die Welt
Als Ola im Januar 2023 in Shanghai landete, hatte sie bereits in Polen, Deutschland und den USA gelebt. Trotzdem fühlte sich ihre Ankunft in China wie der Beginn eines völlig neuen Kapitels an.
Sie kam während des chinesischen Neujahrsfestes an. Viele Geschäfte waren geschlossen, ihre ausländische Kreditkarte funktionierte nicht, und in ihrer vorübergehenden Unterkunft fehlten selbst grundlegende Dinge wie Bettwäsche und eine funktionierende Heizung. Als Ola schließlich in einem der wenigen geöffneten Restaurants nicht mit Bargeld bezahlen konnte, übernahm eine Mitarbeiterin spontan ihre Rechnung.
Diese kleine Geste wurde zu einer ihrer ersten wichtigen Erinnerungen an China. Sie zeigte ihr, wie viel die Hilfsbereitschaft eines einzelnen Menschen bewirken kann, wenn man sich in einem fremden Land noch vollkommen verloren fühlt.
Dass Ola eines Tages in China studieren würde, war keineswegs von Anfang an geplant. Der eigentliche Anfang dieser Geschichte liegt viele Jahre zuvor in Neuzelle.
Schulzeit und Abitur in Neuzelle
Ola wuchs in Obrzycko auf, einer kleinen Stadt im Westen Polens. Als Jugendliche zog sie nach Deutschland, um dort ihre weitere schulische Ausbildung zu absolvieren. Sie besuchte mehrere Jahre das Internationale Gymnasium im Stift Neuzelle und legte dort schließlich ihr Abitur ab. Neuzelle war somit keine kurze Austauschstation, sondern wurde zu ihrem schulischen Zuhause und zum Ausgangspunkt ihres späteren internationalen Bildungsweges.
Der Anfang war mit vielen Herausforderungen verbunden. Als Ola nach Deutschland kam, sprach sie kaum Englisch, und auch ihre Deutschkenntnisse waren noch nicht sicher. Gleichzeitig musste sie lernen, sich in einem neuen Land, einem anderen Schulsystem und einem internationalen Internat zurechtzufinden.
Ursprünglich hatte sie erwartet, gemeinsam mit anderen polnischen Jugendlichen zu wohnen. Stattdessen wurde sie einem Wohnbereich mit überwiegend asiatischen Schülerinnen und Schülern zugeteilt. Was sie zunächst verunsicherte, entwickelte sich bald zu einer der prägendsten Erfahrungen ihrer gesamten Schulzeit. Ihre ersten Mitbewohnerinnen kamen aus China und Vietnam, und mit der Zeit entstanden enge Freundschaften mit Jugendlichen aus China, Vietnam, Korea und weiteren Ländern.
Im gemeinsamen Alltag tauschten sie Sprachen, Traditionen, Gerichte und persönliche Geschichten aus. Ola lernte, mit Stäbchen zu essen, während ihre Freundinnen und Freunde sich an polnischen Zungenbrechern versuchten. Nach einem Jahr erhielt sie die Möglichkeit, in einen Wohnbereich mit polnischen Schülerinnen und Schülern umzuziehen. Sie entschied sich jedoch bewusst dagegen und blieb bis zum Abitur in der internationalen Gemeinschaft, die für sie inzwischen zu einem zweiten Zuhause geworden war.
Auch ihre Lehrkräfte spielten während dieser Jahre eine wichtige Rolle. Besonders ihre Lehrkräfte für Biologie und Mathematik förderten Olas Begeisterung für die Naturwissenschaften und bestärkten sie darin, wissenschaftlichen Fragen selbstständig nachzugehen. Ebenso prägend war ihre Lehrerin für Polnisch und Russisch. Sie vermittelte Ola, dass Mehrsprachigkeit und die Verbundenheit mit der eigenen Herkunft keine Grenzen darstellen, sondern neue Türen öffnen können.
In Neuzelle erwarb Ola daher nicht nur ihr Abitur. Sie lernte dort auch, sprachliche und kulturelle Unsicherheiten zu überwinden, Verantwortung für ihren eigenen Weg zu übernehmen und sich in einer internationalen Gemeinschaft zu Hause zu fühlen. Vor allem begann sie dort zu verstehen, dass ihre Zukunft nicht auf ein einziges Land begrenzt sein musste.
Ein Studium zwischen den USA und China
Nach dem Abitur träumte Ola zunächst von einem Studium in den Vereinigten Staaten. Im Bewerbungsformular der Duke University entdeckte sie die Möglichkeit, ihre Unterlagen zusätzlich an die Duke Kunshan University, den chinesischen Campus der Universität, weiterleiten zu lassen. Sie setzte ein Häkchen – eine kleine Entscheidung, die ihren weiteren Lebensweg grundlegend verändern sollte.
Das gemeinsame Studienmodell bot ihr die Möglichkeit, sowohl in den USA als auch in China zu studieren und Abschlüsse beider Universitäten zu erwerben. Den ersten Teil ihres Studiums verbrachte sie an der Duke University in North Carolina, den zweiten in Kunshan.
Damit kehrte sie gewissermaßen zu einer Verbindung zurück, die Jahre zuvor in Neuzelle begonnen hatte. Während ihres Aufenthalts in China konnte Ola einige ihrer ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler aus dem Internat wiedersehen. Menschen, denen sie erstmals als unsichere Jugendliche in Deutschland begegnet war, traf sie nun Jahre später in deren Heimat wieder.

Während ihres Aufenthalts in China traf sich Ola mit ehemaligen Schülerinnen der Schule in Neuzelle
Diese Wiedersehen gehörten zu den persönlichsten Momenten ihrer Zeit im Fernen Osten. Ihre Freunde zeigten ihr ihre Städte, ihre Familien und ihren Alltag. Viele Gespräche, Traditionen und Geschichten aus den gemeinsamen Jahren in Neuzelle erhielten dadurch einen neuen Kontext. Für Ola schloss sich ein besonderer Kreis: Freundschaften, die in einem kleinen Ort in Brandenburg begonnen hatten, wurden auf der anderen Seite der Welt fortgesetzt.
China wurde für sie dadurch nicht nur zu einem Studienort, sondern auch zu einem Land, mit dem sie sich auf sehr persönliche Weise verbunden fühlte. Die Zeit dort lehrte sie, dass internationale Bildung nicht nur bedeutet, an verschiedenen Orten zu lernen. Sie bedeutet vor allem, langfristige Beziehungen aufzubauen und die Welt durch die Perspektiven anderer Menschen kennenzulernen.

Abitur in Neuzelle
Forschung zwischen Gehirn, Schlaf und Mars
In ihrem Studium entschied sich Ola für das Fach Molecular Bioscience und “Pre-med”. Je länger sie sich mit biologischen und medizinischen Fragen beschäftigte, desto stärker wurde ihr Interesse am menschlichen Gehirn.
In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie, wie sich das Leben unter den Lichtbedingungen des Mars auf biologische Rhythmen auswirken könnte. Ein Tag auf dem Mars dauert ungefähr 24 Stunden und 39 Minuten und ist damit nur wenig länger als ein Tag auf der Erde. Dennoch können bereits diese zusätzlichen Minuten die innere Uhr, das Schlafverhalten und die Aktivität bestimmter Gene beeinflussen.

Aleksandra als Mitorganisatorin der European Rover Challenge auf dem Mars Yard.
Die Arbeit verband Olas Interesse an den Neurowissenschaften mit Fragen der Weltraummedizin.
Sie zeigte ihr, wie eng Grundlagenforschung, klinische Medizin und die zukünftigen Herausforderungen der bemannten Raumfahrt miteinander verbunden sein können.
Darüber hinaus beteiligte sie sich an einem Forschungsprojekt zu Metallkomplexen, die künftig bei der Entwicklung neuer Krebstherapien eine Rolle spielen könnten. Ihr Studium schloss sie mit zwei Bachelorabschlüssen von der Duke University und der Duke Kunshan University ab. Sie graduierte summa cum laude und gehörte zu den besten fünf Prozent ihres Jahrgangs.

Ola mit Abschlüssen der Duke University und der Duke Kunshan University
China war für Ola jedoch weit mehr als ein Studien- und Forschungsort. Sie engagierte sich intensiv für die Hochschulgemeinschaft, leitete mehrere studentische Organisationen und setzte sich unter anderem für Nachhaltigkeit, psychische Gesundheit und den Schutz der frei lebenden Katzen auf dem Campus ein.

Gemeinsam mit anderen Studierenden organisierte sie die Versorgung, medizinische Behandlung und Vermittlung der Tiere.
Eine der Katzen, Mimi, fand schließlich sogar ein neues Zuhause bei Olas Familie in Polen.

Ola mit ihrer chinesischen Glückskatze
Als Resident Assistant begleitete Ola außerdem jüngere Studierende beim Übergang in das Universitätsleben. Sie organisierte gemeinsame Aktivitäten, unterstützte Studierende bei persönlichen Schwierigkeiten und versuchte, aus einem Wohnheim eine Gemeinschaft zu machen

Für dieses Engagement wurde sie als „Resident Assistant of the Year“ ausgezeichnet.
Ihre Zeit in China veränderte nicht nur ihre akademischen Interessen, sondern auch ihre persönlichen Prioritäten. Sie erkannte, dass Erfolg nicht allein aus Noten, Forschungsergebnissen und Auszeichnungen besteht. Freundschaften, gegenseitige Unterstützung und kleine Gesten der Fürsorge wurden für sie ebenso wichtig wie ihre wissenschaftlichen Ziele.
Die bewusste Entscheidung für die Medizin
Der Wunsch, Ärztin zu werden, stand für Ola nicht von Anfang an fest. Eine entscheidende Erfahrung war ihr freiwilliges Engagement in einem Krankenhaus während der COVID-19-Pandemie. Dort erlebte sie unmittelbar, welchen Unterschied Ärztinnen und Ärzte im Leben ihrer Patientinnen und Patienten bewirken können.
Text von Aleksandra Stryjska
